*22:50 in einer McDonalds Filiale irgendwo in Deutschland . Wo genau ist auch egal . Ich bin schon seid langer Zeit der festen Ansicht , dass es wohl nicht den geringsten Unterschied machen würde egal wo ich mich hier auf dieser Erde , mit diesen Leuten befände .
Einfach mal aus der Wohnung kommen war das Motto der Stunde .
Mein Anreiz : Etwas zu Essen , frische Luft , andere Leute sehen . Alles in allem wollte ich ein klein wenig Ablenkung von meinem immer gleichen Alltagstrott . Ob ich mir das Ergebnis meines Vorhabens schon zuvor ausmalen konnte kann ich mit absoluter Sicherheit bejahen . Insgeheim wollte ich nur eine Bestätigung , eine Sicherheit , dass doch nicht alles so ist , wie es mir meine Wahrnehmung des öfteren vorgaukelt. Wie ich tief im Inneren hoffte ...
Meine ursprüngliche Intention bestand darin , einen durchaus mittelmäßigen Kinofilm zu sehen und wieder einen meiner so geliebten “Forever-Alone-Tage“ zu erleben . Seit ich zurück denken kann , musste ich alle “Freuden“ des Lebens alleine erleben und somit wurde dies eine Selbstverständlichkeit meines Daseins .
Jeder , der schon einmal Nachts alleine in einem etwas düsteren Kinofilm gesessen hat ohne jegliche Begleitung , vor allem romantischer Art , wird die Magie dieser Melancholie verstehen können . Die Abwesenheit eines großen Publikums vorausgesetzt .
Wie Travis Bickle aus Taxi Driver , oder Shinki Ikari in der 4. Episode der wohl besten animierten Serie aller Zeiten “Neon Genesis Evangelion“ .
Nur ein großer , dunkler Raum . Die absolute innere Leere , deine Gedanken und ein Film der dich immer weiter in dein eigenes Selbst zurückziehen lässt. Einsamkeit . Traurigkeit . Kindheitserinnerungen . Liebe . Hass . Hoffnung . Ja es lässt sich so viel erschließen einem derartigen Trancezustand . Von den Werbespots bis zu den Credits ist man nur in seinen eigenen Gedanken . Niemand sonst . Wie schon Robert DeNiro sagte : “Ich bin Gottes einsamster Mensch“ . Und in diesen Momenten meine ich die Wahre Bedeutung hinter diesen Worten zu verstehen .
Aber zurück zur bitteren aber leider unumgänglichen Realität und der Grund dahinter wieso ich jetzt hier sitze und kaum meine Gedanken von den Äußerungen der anderen Gäste differenzieren kann .
Auf dem Weg zum Kino und spätestens mit dem Einbiegen zum Parkplatz des Gebäudes wurde ich jeglicher Hoffnung beraubt ,was dem Wunsch nach dem gezielten Alleinsein betrifft .
Menschenmassen. Nicht eine einzelne freie Parklücke . Modeschmuck und sehr “dezent“ aufgetragenes Make-Up , welches ich meinte durch die Scheiben meines Autos rascheln hören beziehungsweise Risse ziehen sehen zu können .
Dem fest verankerten Gedanken , dass die Hoffnung zu letzt stirbt , musste ich mich dieses mal erneut ergeben . Parken war kein Problem , rechtzeitig zum Kartenkauf zu erscheinen folglich auch nicht . An der sich automatisch eröffnenden Eingangstüre , an der sich wohl auch ein unzivilisierter Bauerntölpel wie ein Gott des Societyolymps fühlen könnte , war auch der letzte Rest meiner spät pubertären Naivität ein Teil der Geschichte geworden . Alles strahlte vor mir . Eine Szenerie wie sie wohl nur in metaphorischer Verwendung existieren kann . Sowohl die Menschen als auch die Fassaden des Kinos waren von einer unbeschreiblichen Perfektion , dass sich tief in mir ein Gefühl der absoluten Resignation breit machte . Ich , das hässliche Entlein im Angesicht einer makellosen Szenerie von schönen Menschen und schöner Architektur . Was habe ich mir dabei gedacht ? Was habe ich hier verloren ? Ich wollte unter anderem diesen Fakt vergessen , aber im Gegenzug werde ich gnadenlos in das kalte Wasser der High Society geworfen . Nichts , aber auch nichts verbindet mich mit diesem Ort , mit diesen Leuten . “So I took one step forward , turned around , and walked away“ . Viel treffender kann es diese Liedzeile aus The Streets' “Dry your eyes“ nicht treffen . Wieder ins Auto , wieder zurück in diese Realität , keine Hoffnung . Was tun ? Wohl die einzige Option das Erlebte zu verarbeiten ist eine ähnliche Situation , mit ähnlicher Atmosphäre . Schreiben zum Vergessen , einsam fühlen in der Masse . Logische Entscheidung in einer Kleinstadt . An einem Ort an dem um diese Uhrzeit niemand alleine ist , wirklich niemand. Außer mir natürlich . Und diese Selbstverständlichkeit meines Zustandes scheint jeder so hinzunehmen. Ein altes Ehepaar , die junge Familie mit Kindern , das erste Date mit dem Schwarm aus der Parallelklasse , die Clique , die guten Freunde . Alle unterscheiden sie sich in einer gewissem Hinsicht von mir . Sie sehen glücklich aus . “Glücklich“. Auf die Frage , wann ich es das letzte mal war , könnte ich nur beschämt schweigen . Aus den noch so belanglosen Tratschereien und dem augenscheinlich provozierten , schrillen Gelächter vernehme ich eine seelische Genugtuung .
Sogar in einem von fett triefenden , herzinfarktsrisiko steigernden Ort hat jemand wie ich keinen Platz . Hinter der Friteuse in einem roten Hemd vielleicht . Die Sehnsucht nach einem Wendepunkt existiert aber gerade an diesem Ort. Vielleicht spricht mich gleich jemand an , der mich bemitleidet oder vielleicht sogar Interesse in mir findet . Aber was mache ich mir vor . Taxifahrer haben möglicherweise doch immer Recht .
0:15 . Geistige Ermüdung gepaart mit einem Gefühl der Befriedigung .
Wäret ihr an meiner Stelle hier , ohne den Schutz den eine andere Person mit sich bringt vor den urteilenden Blicken der Menschen ?